Förderung und Eigenleistung – passt das überhaupt zusammen?
Viele Eigentümer stehen heute vor einer schwierigen Entscheidung. Die Kosten für energetische Sanierungen sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Gleichzeitig besteht der Wunsch, möglichst viel selbst zu erledigen, um Geld zu sparen. Doch passt das überhaupt zu den aktuellen Förderprogrammen? Oder schließen sich Förderung und Eigenleistung gegenseitig aus?
Die gute Nachricht vorweg: Nein. Eigenleistung und Förderung schließen sich grundsätzlich nicht aus. Allerdings gibt es einige wichtige Rahmenbedingungen, die man kennen sollte.
Warum Eigenleistung heute wieder an Bedeutung gewinnt
Energetische Sanierungen sind langfristige Investitionen in den Werterhalt einer Immobilie. Gleichzeitig stellen die heutigen Bau- und Handwerkerkosten viele Eigentümer vor erhebliche finanzielle Herausforderungen.
Gerade deshalb überlegen immer mehr Bauherren, bestimmte Arbeiten selbst zu übernehmen. Das kann durchaus sinnvoll sein – vorausgesetzt, die Arbeiten werden fachgerecht ausgeführt und realistisch eingeschätzt.
Eigenleistung bedeutet dabei nicht zwangsläufig, sämtliche Arbeiten selbst auszuführen. Häufig entsteht die größte Ersparnis bereits dadurch, vorbereitende oder unterstützende Tätigkeiten selbst zu übernehmen.
Schließt Förderung Eigenleistungen aus?
Diese Annahme hält sich hartnäckig, ist aber so nicht richtig.
Förderprogramme schließen Eigenleistungen grundsätzlich nicht aus. Allerdings wird dabei zwischen den Materialkosten und den Arbeitskosten unterschieden.
Während Materialkosten unter bestimmten Voraussetzungen förderfähig sein können, werden die eigenen Arbeitsstunden in der Regel nicht gefördert. Wer also selbst arbeitet, spart vor allem Lohnkosten – erhält dafür aber normalerweise keinen Zuschuss.
Dadurch entsteht häufig eine interessante Kombination:
- geringere Gesamtkosten durch Eigenleistung,
- gleichzeitig Förderung auf die förderfähigen Kosten,
- und dadurch oftmals eine wirtschaftlich attraktive Gesamtlösung.
Kann man jede Arbeit selbst durchführen?
Rechtlich betrachtet darf grundsätzlich jeder Eigentümer Arbeiten an seinem eigenen Gebäude selbst ausführen, sofern keine gesetzlichen Einschränkungen bestehen.
Die entscheidende Frage lautet jedoch nicht, ob man eine Arbeit durchführen darf, sondern ob man sie fachgerecht ausführen kann.
Gerade im Bereich der energetischen Sanierung entscheidet die Qualität der Ausführung häufig über den späteren Erfolg der gesamten Maßnahme. Eine nicht luftdicht angeschlossene Dampfbremse oder eine fehlerhaft ausgeführte Dämmung können später deutlich höhere Schäden verursachen als die ursprüngliche Einsparung wert war.
Eigenleistung setzt deshalb immer voraus, dass die notwendige fachliche Kompetenz vorhanden ist.
Wo liegen die Grenzen?
Bei einigen Gewerken endet die Eigenleistung praktisch dort, wo gesetzliche Vorgaben oder die fachliche Verantwortung eines zugelassenen Fachunternehmens erforderlich werden.
Typische Beispiele sind:
- Arbeiten an elektrischen Anlagen,
- Heizungsinstallationen,
- Gasinstallationen,
- sicherheitsrelevante Anlagentechnik.
Hier geht es weniger darum, ob jemand handwerklich geschickt ist, sondern vielmehr um Haftung, Gewährleistung und die Verantwortung gegenüber dem späteren Betreiber der Anlage.
Welche Arbeiten eignen sich für Eigenleistungen?
Die folgende Übersicht soll eine erste Orientierung geben. Sie ersetzt keine individuelle Beratung, zeigt aber, bei welchen Arbeiten Eigenleistungen häufig sinnvoll sind und wo besondere Vorsicht geboten ist.
| Maßnahme | Eigenleistung sinnvoll? | Hinweise |
|---|---|---|
| Rückbauarbeiten (z. B. alte Bodenbeläge, Verkleidungen) | ✅ Sehr gut geeignet | Häufig hohes Einsparpotenzial bei überschaubarem Risiko. |
| Dämmung der obersten Geschossdecke | ✅ Gut geeignet | Sorgfältige Ausführung erforderlich, insbesondere bei Luftdichtheit und Feuchteschutz. |
| Kellerdeckendämmung | ✅ Gut geeignet | Technisch meist gut umsetzbar, sofern die Untergründe geeignet sind. |
| Innendämmung | ⚠️ Bedingt geeignet | Erfordert fundierte Kenntnisse über Feuchteschutz, Wärmebrücken und Luftdichtheit. |
| Fassadendämmung (WDVS) | ⚠️ Bedingt geeignet | Hohe Anforderungen an Verarbeitung und Detailausbildung. Fehler können langfristige Schäden verursachen. |
| Dachgeschossdämmung | ⚠️ Bedingt geeignet | Besonders kritisch sind Dampfbremse, Anschlüsse und Luftdichtheit. Eine sorgfältige Planung ist unerlässlich. |
| Fenstereinbau | ⚠️ Bedingt geeignet | Der fachgerechte Anschluss an die Gebäudehülle ist entscheidend. Fehler können Wärmebrücken oder Feuchteschäden verursachen. |
| Photovoltaikanlage (Montagevorbereitung) | ⚠️ Teilweise geeignet | Vorbereitende Arbeiten sind häufig möglich. Die elektrische Installation gehört jedoch in die Hände eines Fachbetriebs. |
| Heizungsinstallation | ❌ Fachbetrieb empfohlen | Fachgerechte Ausführung, Gewährleistung und Inbetriebnahme sind entscheidend. |
| Elektroinstallation | ❌ Fachbetrieb empfohlen | Arbeiten an elektrischen Anlagen sollten ausschließlich von qualifizierten Fachbetrieben verantwortet werden. |
| Gasinstallationen | ❌ Fachbetrieb empfohlen | Aus Sicherheitsgründen grundsätzlich Aufgabe eines zugelassenen Fachbetriebs. |
Wichtig: Ob eine Maßnahme förderfähig ist, hängt nicht allein davon ab, wer sie ausführt. Entscheidend sind die jeweiligen Förderbedingungen sowie gegebenenfalls erforderliche Fachunternehmererklärungen oder Bestätigungen über die fachgerechte Ausführung. Daher empfiehlt es sich, diese Punkte bereits vor Beginn der Arbeiten zu klären.
Was bedeutet das für die Förderung?
Ein weiterer Punkt wird häufig übersehen.
Viele Förderprogramme verlangen nach Abschluss der Maßnahme eine Bestätigung, dass die Arbeiten fachgerecht ausgeführt wurden. Je nach Maßnahme kann diese Bestätigung beispielsweise durch den Energieberater oder durch ein ausführendes Fachunternehmen erforderlich sein.
Anders sieht es bei Arbeiten aus, die ausschließlich von entsprechend qualifizierten Fachbetrieben verantwortet werden dürfen. Dazu gehören insbesondere viele Elektro- und Heizungsarbeiten. Hier reicht eine Eigenleistung allein häufig nicht aus, weil die notwendige fachliche Bestätigung beziehungsweise die Verantwortung des Fachunternehmens erforderlich bleibt.
Wann lohnt sich Eigenleistung besonders?
Aus meiner Erfahrung lohnt sich Eigenleistung vor allem dann, wenn drei Voraussetzungen erfüllt sind:
- ausreichende handwerkliche Erfahrung,
- genügend Zeit für eine sorgfältige Ausführung,
- und eine klare Planung im Vorfeld.
Gerade vorbereitende Arbeiten, Rückbauarbeiten oder einzelne Dämmmaßnahmen lassen sich häufig sehr wirtschaftlich selbst erledigen.
Bei technisch anspruchsvollen Gewerken sollte dagegen sorgfältig abgewogen werden, ob die mögliche Ersparnis das zusätzliche Risiko tatsächlich rechtfertigt.
Mein Fazit
Eigenleistung und Förderung widersprechen sich nicht.
Im Gegenteil: Gerade in Zeiten steigender Baukosten kann die richtige Kombination aus Eigenleistung, fachlicher Planung und gezielter Förderung dazu beitragen, eine energetische Sanierung überhaupt erst wirtschaftlich realisieren zu können.
Entscheidend ist jedoch, die Grenzen der eigenen Möglichkeiten realistisch einzuschätzen. Nicht jede Arbeit muss vom Handwerker erledigt werden – aber auch nicht jede Arbeit sollte in Eigenleistung ausgeführt werden.
Eine gute Planung hilft dabei, genau diese Grenze zu finden und sowohl wirtschaftlich als auch technisch die richtige Entscheidung zu treffen.
Wenn Sie sich intensiver mit dem Thema Eigenleistung und Förderung beschäftigen möchten, finden Sie auf folgenden öffentlichen Informationsseiten weiterführende Informationen:
Weiterführende Informationen
- FAQ des Bundesministeriums zur Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG), insbesondere zum Thema Eigenleistung und Materialkosten.
- BAFA- Formular „Bestätigung zur Eigenleistung“.
