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Fit für den Winter: 11 Tipps für Ihre Heizung

Der August fühlt sich noch nicht nach Heizperiode an. Gerade erst lagen die Temperaturen vielerorts bei über 30 Grad. Und trotzdem ist genau jetzt ein guter Zeitpunkt, die Heizung auf den Winter vorzubereiten und an die kommende Heizsaison zu denken. Das klingt zunächst widersprüchlich, tatsächlich gibt es aber kaum einen besseren Zeitpunkt, sich mit der eigenen Gebäudetechnik zu beschäftigen.

Denn sobald die ersten kalten Tage kommen, beschäftigen sich viele Hauseigentümer gleichzeitig mit ihrer Heizung. Heizungsfachbetriebe haben dann wieder volle Auftragsbücher und kümmern sich verständlicherweise zuerst um ausgefallene Anlagen und dringende Reparaturen. Wer einige Dinge bereits im Spätsommer oder frühen Herbst angeht, kann deshalb entspannter in die nächste Heizsaison starten.

Dabei muss es keineswegs gleich um eine neue Heizung, neue Fenster oder eine umfassende energetische Sanierung gehen. Häufig lohnt es sich zunächst, die vorhandene Technik genauer anzusehen und richtig einzustellen.

1. Heizungswartung nicht erst beim ersten kalten Tag

Wann wurde Ihre Heizungsanlage zuletzt gewartet? Wenn Sie darüber erst einmal nachdenken müssen, könnte jetzt ein guter Zeitpunkt dafür sein. Noch läuft die Heizung in vielen Gebäuden lediglich für die Warmwasserbereitung. Gleichzeitig ist die Nachfrage bei Heizungsfachbetrieben häufig geringer als nach dem ersten Kälteeinbruch.

Bei einer Wartung können Wärmeerzeuger, Pumpen, Anlagendruck und Regelung überprüft werden. Kleine Probleme lassen sich so möglicherweise erkennen, bevor daraus mitten im Winter ein Heizungsausfall wird. Wer ohnehin weiß, dass eine Wartung ansteht, sollte deshalb nicht unbedingt bis Oktober oder November warten.

2. Heizkörper entlüften

Ein einfacher Punkt, der gerne vergessen wird: Luft gehört nicht in den Heizkörper. Gluckert ein Heizkörper oder wird er insbesondere im oberen Bereich nicht richtig warm, kann sich Luft darin befinden. Dadurch verschlechtert sich die Wärmeübertragung und unter Umständen werden einzelne Räume trotz laufender Heizung nicht ausreichend warm.

Vor Beginn der Heizperiode lohnt sich deshalb ein Rundgang durch das Haus. Insbesondere die höher gelegenen Heizkörper sollte man kontrollieren. Nach dem Entlüften sollte auch der Anlagendruck der Heizungsanlage überprüft werden. Das dauert nicht lange, kann aber einen spürbaren Unterschied machen.

3. Hydraulischen Abgleich überprüfen

In vielen älteren Heizungsanlagen wurde nie ein hydraulischer Abgleich durchgeführt. Oder das Gebäude und seine Heizungsanlage haben sich im Laufe der Jahre verändert: Heizkörper wurden ausgetauscht, Räume umgebaut oder einzelne Komponenten der Anlage erneuert. Ohne einen korrekten hydraulischen Abgleich kann sich das Heizungswasser dann ungünstig im Gebäude verteilen.

Einige Heizkörper bekommen möglicherweise mehr Wasser als erforderlich, während andere unterversorgt werden. Die typische Reaktion darauf ist häufig, die Pumpenleistung oder die Vorlauftemperatur zu erhöhen. Das kann funktionieren – energetisch optimal ist es aber nicht.

Ein hydraulisch abgeglichenes System schafft deshalb eine wichtige Grundlage für einen effizienten Heizbetrieb. Besonders interessant wird das, wenn perspektivisch der Umstieg auf eine Wärmepumpe geplant ist. Wenn ein hydraulischer Abgleich ohnehin einmal durchgeführt werden soll, ist auch dafür der Spätsommer ein guter Zeitpunkt.

4. Wärmepumpe irgendwann geplant? Dann lernen Sie Ihr Haus kennen

Vielleicht funktioniert Ihre Gas- oder Ölheizung noch problemlos, Sie denken aber darüber nach, in einigen Jahren auf eine Wärmepumpe umzusteigen. Dann können Sie die kommende Heizperiode für ein interessantes Experiment nutzen: Reduzieren Sie schrittweise die Heizkurve und beobachten Sie, mit welchen Vorlauftemperaturen das Gebäude noch komfortabel beheizt werden kann. Eine interessante Größenordnung sind zunächst etwa 50 bis 55 °C maximale Vorlauftemperatur.

Wichtig ist allerdings: Ob diese Temperatur auch an wirklich kalten Wintertagen ausreicht, lässt sich nicht im August und auch nicht an einem milden Oktobertag feststellen. Die Heizkurve kann jetzt vorbereitet und optimiert werden. Der eigentliche Praxistest folgt dann während einer kalten Winterperiode. Bleiben die Räume auch dann ausreichend warm, ist das ein wertvoller Hinweis darauf, dass das vorhandene Wärmeübergabesystem bereits mit vergleichsweise niedrigen Temperaturen zurechtkommt.

Und wenn ein einzelner Raum nicht ausreichend warm wird, bedeutet das noch lange nicht, dass vor einer Wärmepumpe das gesamte Haus saniert werden muss. Möglicherweise ist nur ein einzelner Heizkörper zu klein oder die hydraulische Verteilung nicht optimal. Gerade solche Erkenntnisse sind wertvoll, bevor über größere Investitionen entschieden wird.

5. Heizkörper brauchen Platz

Ein Heizkörper kann seine Wärme nur vernünftig an den Raum abgeben, wenn die Luft um ihn herum zirkulieren kann. Große Möbel unmittelbar vor dem Heizkörper, bodenlange Vorhänge oder Verkleidungen können die Wärmeabgabe beeinträchtigen. Der Rundgang vor der Heizperiode ist deshalb eine gute Gelegenheit, auch darauf einmal zu achten. Manchmal sind es erstaunlich einfache Dinge, die verhindern, dass ein Raum vernünftig warm wird.

6. Zeitprogramme an den heutigen Alltag anpassen

Viele Heizungsregelungen laufen seit Jahren mit denselben Einstellungen. Aber passt das eigentlich noch zum heutigen Alltag? Vielleicht sind die Kinder inzwischen ausgezogen und ein früher täglich genutztes Zimmer steht heute die meiste Zeit leer. Vielleicht wird ein Arbeitszimmer nur noch an zwei Tagen pro Woche genutzt oder die Anwesenheitszeiten haben sich durch Homeoffice oder andere Arbeitszeiten völlig verändert.

Dann sollte auch die Heizung nicht mehr nach dem Zeitprogramm von vor zehn Jahren arbeiten. Prüfen Sie deshalb, wann tatsächlich Komforttemperatur benötigt wird und wann eine Absenkung sinnvoll ist. Dabei sollte man es allerdings nicht übertreiben: Räume dauerhaft stark auskühlen zu lassen, ist insbesondere in schlechter gedämmten Gebäuden nicht sinnvoll. Es geht vielmehr darum, Temperaturen und Nutzungszeiten dem tatsächlichen Bedarf anzupassen.

7. Muss es wirklich ein Grad wärmer sein?

Auch die eingestellte Raumtemperatur lohnt einen Blick. Nicht jeder Raum muss permanent 22 oder 23 °C warm sein. Probieren Sie einmal aus, ob Sie sich auch bei einem halben Grad weniger genauso wohlfühlen.

Als verbreitete Faustregel gilt: Ein Grad weniger Raumtemperatur kann den Heizenergiebedarf um ungefähr sechs Prozent reduzieren. Der tatsächliche Effekt hängt natürlich vom Gebäude, von der Außentemperatur und vom individuellen Heizverhalten ab. Es geht dabei ausdrücklich nicht darum, im Winter zu frieren. Entscheidend ist vielmehr die Frage, welche Temperatur tatsächlich als angenehm empfunden wird – und nicht, welche Zahl seit Jahren am Thermostat eingestellt ist.

8. Smarte Thermostate bei wechselnder Nutzung

Besonders bei Räumen mit wechselnder Nutzung können programmierbare oder smarte Heizkörperthermostate interessant sein. Sie ermöglichen nicht nur klassische Wochenprogramme. Je nach System lässt sich die Raumtemperatur auch aus der Ferne verändern. Das ist beispielsweise bei unregelmäßigen Arbeitszeiten praktisch: Statt einen Raum vorsorglich den ganzen Tag auf Komforttemperatur zu halten, kann die Temperatur rechtzeitig vor der Rückkehr angehoben werden.

Auch für Ferienwohnungen oder andere zeitweise genutzte Räume kann diese Möglichkeit interessant sein. Während der Leerstandszeiten bleibt die Temperatur abgesenkt. Vor der nächsten Nutzung kann rechtzeitig wieder temperiert werden – ohne dass die Heizung tagelang unnötig auf Komforttemperatur läuft. Die Technik dafür ist inzwischen vergleichsweise günstig verfügbar und lässt sich bei vielen Heizkörperanlagen auch nachträglich einsetzen.

9. Richtig lüften – bekannt, aber weiterhin wichtig

Der Hinweis ist nicht neu, bleibt aber richtig: In der Heizperiode besser kurz und intensiv lüften als Fenster über längere Zeit in Kippstellung geöffnet zu lassen. Beim Stoßlüften wird die Raumluft schnell ausgetauscht, während Wände und Einrichtungsgegenstände weniger stark auskühlen. Dauerhaft gekippte Fenster sorgen dagegen für kontinuierliche Wärmeverluste und können zudem angrenzende Bauteile stark auskühlen lassen. Gerade in der Heizperiode sollte deshalb lieber mehrmals kurz und kräftig gelüftet werden.

10. Auch Keller und Heizraum einmal ansehen

Bei der Gelegenheit lohnt sich noch ein Blick auf Bereiche, die im Alltag wenig Aufmerksamkeit bekommen. Sind Heizungs- und Warmwasserleitungen in unbeheizten Kellerräumen ausreichend gedämmt? Läuft eine Warmwasser-Zirkulationspumpe möglicherweise rund um die Uhr, obwohl nachts niemand Warmwasser benötigt? Und stimmen die eingestellten Betriebszeiten überhaupt noch mit dem tatsächlichen Bedarf überein?

Gerade bei älteren Anlagen findet man hier gelegentlich Einstellungen, die seit vielen Jahren niemand mehr hinterfragt hat. Auch kleine Optimierungen können sich über eine komplette Heizperiode bemerkbar machen.

11. Gerade noch 30 Grad – und jetzt schon über Klimatisierung nachdenken?

Die vergangenen heißen Sommertage haben noch ein anderes Thema in den Mittelpunkt gerückt: die Kühlung unserer Gebäude. Wer in diesem Sommer festgestellt hat, dass Schlaf-, Wohn- oder Arbeitsräume unangenehm warm werden, sollte nicht unbedingt bis zur nächsten Hitzewelle warten, um über eine Lösung nachzudenken. Denn auch hier gilt das gleiche Prinzip wie bei der Heizung: Dann handeln, wenn nicht alle anderen dasselbe wollen.

Während ausgeprägter Hitzeperioden steigt die Nachfrage nach Klimageräten und Installationsbetrieben erheblich. Gefragte Geräte können schlechter verfügbar sein und auch einen kurzfristigen Installationstermin zu bekommen, wird schwieriger. Im Herbst lässt sich dagegen in Ruhe überlegen, welche Lösung zum eigenen Gebäude passt.

Klimaanlage und Photovoltaik – eine interessante Kombination

Eine Klimaanlage benötigt natürlich elektrische Energie. Interessant ist allerdings, dass Kühlbedarf und PV-Stromerzeugung zeitlich häufig ausgesprochen gut zusammenpassen. Gerade an sonnigen und heißen Tagen produziert eine vorhandene Photovoltaikanlage viel Strom. Statt überschüssige Energie zu vergleichsweise geringer Vergütung ins Netz einzuspeisen, kann ein Teil davon für die Kühlung des eigenen Gebäudes genutzt werden.

Damit fällt der höchste Kühlbedarf häufig genau in eine Zeit, in der auch viel eigener Solarstrom zur Verfügung steht. Das macht eine Klimaanlage natürlich nicht kostenlos. Wenn aber ausreichend PV-Überschuss vorhanden ist, können die zusätzlichen laufenden Stromkosten deutlich geringer ausfallen, als man zunächst vermuten würde.

Eine Klimaanlage kann auch eine kleine Wärmepumpe sein

Ein weiterer interessanter Punkt wird häufig übersehen: Viele moderne Split-Klimageräte können nicht nur kühlen, sondern auch heizen. Technisch handelt es sich dann um eine Luft-Luft-Wärmepumpe. Gerade in der Übergangszeit kann das interessant sein.

Ein Arbeitszimmer, Gästezimmer oder ein anderer nur zeitweise genutzter Raum muss beispielsweise nicht permanent über die Zentralheizung auf Komforttemperatur gehalten werden. Bei Bedarf lässt sich ein solcher Raum mit einer Luft-Luft-Wärmepumpe vergleichsweise schnell erwärmen. Auch an einzelnen kühlen Tagen im Frühjahr oder Herbst kann das interessant sein, wenn die zentrale Heizungsanlage ansonsten noch gar nicht oder nur eingeschränkt benötigt wird. Damit kann aus einer ursprünglich für den sommerlichen Komfort angeschafften Klimaanlage eine sinnvolle Ergänzung des Heizsystems werden.

Und wenn ich noch keine feste Klimaanlage installieren möchte?

Wer das Prinzip zunächst ausprobieren möchte oder baulich keine klassische Splitanlage installieren kann, findet inzwischen auch mobile Splitgeräte. Anders als die bekannten Monoblock-Klimageräte mit Abluftschlauch bestehen diese aus einem Innen- und einem Außengerät. Die warme Seite des Kältekreislaufs befindet sich damit tatsächlich außerhalb des Raumes.

Dadurch können solche Geräte prinzipbedingt deutlich effizienter arbeiten als klassische mobile Monoblockgeräte. Solche Lösungen können beispielsweise für einzelne Räume oder auch für Menschen interessant sein, die zunächst Erfahrungen mit aktiver Kühlung sammeln möchten. Das konkrete Gerät sollte natürlich hinsichtlich Leistung, Effizienz, Schallentwicklung und Eignung für den jeweiligen Raum geprüft werden.

Fazit: Gebäudetechnik plant man am besten, wenn man sie gerade nicht dringend braucht

Vielleicht ist das sogar der wichtigste Tipp dieses Artikels: Warten Sie mit Arbeiten an Ihrer Heizung nicht auf den ersten kalten Novembertag – und mit dem Thema Kühlung nicht auf die nächste Hitzewelle. Sobald die Temperaturen im Herbst deutlich sinken, verändert sich die Situation bei den Heizungsfachbetrieben. Ausfälle und dringende Reparaturen haben verständlicherweise Priorität. Kleinere Optimierungsarbeiten lassen sich dann möglicherweise nicht mehr kurzfristig unterbringen.

Ein hydraulischer Abgleich, Änderungen an der Regelung, der Austausch einzelner Komponenten oder andere kleinere Arbeiten werden verschoben – und im ungünstigsten Fall ist wieder eine komplette Heizperiode vergangen. Genau deshalb ist der Spätsommer eine gute Gelegenheit, die Heizung warten zu lassen, Heizkörper zu kontrollieren und zu entlüften, den hydraulischen Abgleich anzugehen, Regelung und Zeitprogramme zu überprüfen und die Heizkurve auf die kommende Saison vorzubereiten.

Und wer während der vergangenen heißen Tage über eine Klimaanlage nachgedacht hat, sollte auch diesen Gedanken nicht bis zur nächsten Hitzewelle vertagen. Der Herbst kann ein guter Zeitpunkt sein, sich mit möglichen Systemen zu beschäftigen, Angebote einzuholen und gegebenenfalls eine Installation vorzubereiten.

Das Interessante daran: Viele dieser Maßnahmen sind keine großen Sanierungsprojekte. Es geht zunächst darum, die vorhandene Technik besser zu verstehen, richtig einzustellen und an die heutige Nutzung des Gebäudes anzupassen. Wer ohnehin über eine spätere Modernisierung nachdenkt, gewinnt dabei gleichzeitig wertvolle Erkenntnisse: Welche Vorlauftemperaturen benötigt mein Haus tatsächlich? Welche Räume sind kritisch? Wo bestehen hydraulische Probleme? Und wo lässt sich mit vergleichsweise kleinen Veränderungen bereits etwas erreichen?

Energetische Optimierung muss deshalb nicht immer mit einer neuen Fassade, neuen Fenstern oder einer neuen Heizungsanlage beginnen. Manchmal beginnt sie mit einer viel einfacheren Frage: Was kann mein Gebäude eigentlich schon heute – wenn ich seine Technik richtig nutze?

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